Planen fürs neue Homeschool-Jahr

Das Ende des Schuljahres bedeutet gleichzeitig Planungszeit für das neue Schuljahr. Wie geht man so eine Planung denn eigentlich an? Da gibt es wohl gleich viele Antworten wie es Homeschool-Eltern gibt. Jede und jeder macht es anders. Manche planen gar nicht, andere planen de facto, weil es der Inspektor verlangt und wiederum andere planen akribisch, entweder aus Leidenschaft oder aus einer perfektionistischen Veranlagung! 😉

Ich plane am Ende des Schuljahres und in den Sommerferien, weil ich gerne organisiert bin und mir eine gewisse Planung auch hilft, am Schluss des Jahres den Jahresbericht zu schreiben. Ich bin aber auch flexibel genug, um jederzeit von meiner Planung abzuweichen und fühle mich nicht gestresst, wenn ich während des Schuljahres merke, dass es mit der Planung doch nicht klappt wie gedacht, entweder weil gewisse Themen länger dauern oder weil die Kinder sich für andere Themen interessieren als ursprünglich erwähnt.

Das bringt mich zum ersten Punkt:

1. Was möchten die Kinder lernen? Während den Sommerferien reden wir immer wieder mal darüber, was für NMG-Themenwünsche die Kinder selber haben. Es ist mir sehr wichtig, dass ich diese Kinderwünsche ins neue Schuljahr einplane.img_1101

2. Was habt ihr im vergangenen Schuljahr erreicht und was nicht? Beim Planen des neuen Schuljahres schaue ich auch immer zurück auf meine grobe Planung vom letzten Schuljahr, v.a. in NMG. Dann sehe ich, welche geplanten Themen durch andere ersetzt wurden und denke darüber nach, ob die ursprünglich geplanten Themen vielleicht noch für das neue Schuljahr aktuell wären oder nicht.

3. Was steht im Lehrplan? Neben den Kinderwünschen behalte ich die Anforderungen des Lehrplans immer im Hinterkopf, nicht nur, weil wir den Lehrplan einhalten müssen, sondern auch, weil dort manche Themen verlangt werden, von denen die Kinder noch gar nichts wissen, sie also deshalb auch nicht vorschlagen können. In meiner Erfahrung machen den Kindern alle Themen, die ich vorschlage auch Spass, da ich natürlich darauf schaue, die Themen auf tolle, interaktive, interessante Art zu präsentieren. So wissen die Kinder zum Beispiel vieles in der Weltgeschichte noch nicht und doch ist Geschichte von beiden ein absolutes Lieblingsfach (vielleicht weil Mama begeistert davon ist und es darum auch begeistert bringt?!).

4. Überblick der Kapitel in den Lehrmitteln: Für Pflichtfächer wie Mathematik, Französisch und Englisch schaue ich wie viele Kapitel oder Seiten es bis zum Ende des Schuljahres zu behandeln gibt und teile sie grob in die Anzahl der Schulwochen auf. Dabei gebe ich uns immer 2-3 Wochen Reservezeit (zum Beispiel, wenn es 38 Schulwochen sind, dann rechne ich nur mit 35-36 Wochen). Dann weiss ich ungefähr wie viele Kapitel oder Seiten pro Woche gemacht werden sollten, um den Stoff am Ende des Schuljahres durch zu haben und notiere mir dies vorne im Lehrmittel. Diese Planung handhabe ich wiederum sehr flexibel, d.h. dieses Jahr haben wir das Geplante im Französisch nicht ganz geschafft, dafür waren wir mit dem Stoff in Deutsch und Mathematik bereits Ende Mai fertig.

5. Planungsleitfäden zu Hilfe nehmen: Vor allem für Math, Deutsch und Französisch, aber auch für manche andere Themen wie Informatik oder die Naturwissenschaften leihe ich mir gerne die Planungsleitfäden für Lehrer aus der Mediathek der Pädagogischen Hochschule aus. Diese Leitfäden reserviere ich meistens auf Anfang Juli, damit ich sie während den Sommerferien zur Verfügung habe. Dies finde ich v.a. für Deutsch wichtig, da die empfohlene Planung nicht einfach ein Kapitel nach dem anderen, sondern nach einem bestimmten Prinzip aufgebaut ist.img_1100

6. Übereinstimmung mit den Kompetenzen: Wenn ich dann ungefähr weiss, was wir in allen Fächern wohl so behandeln werden, schaue ich mir mein Kompetenzraster an (gemäss Lehrplan 21) und mache mir Bemerkungen, welches Thema welche Kompetenzen abdeckt. Dies notiere ich dann im Lauf des Schuljahres im Raster. Das hilft mir wiederum beim Abschlussjahresbericht. (Übrigens, ich schicke euch gerne dieses Raster für Zyklus 2 zu, wenn ihr meinen Blog abonniert und mir ein Mail schreibt.)

Jahresplanung LP21

7. Das Schuljahr aufteilen und dementsprechend markieren: Ich nehme einen einfachen Jahreskalender (auf einer Seite) und markiere alle geplanten Ferien und Feiertage mit einem Leuchtstift. Ja, auch Geburtstage gehören bei uns zu den Feiertagen, deshalb fangen wir das Schuljahr meistens ein paar Tage später an und hören vor Weihnachten ein paar Tage früher auf (August- und Dezember-Geburtstage!). Dann notiere ich wie viele Wochen jeweils zwischen den Ferien liegen, damit ich davon eine Übersicht habe, und hänge diesen einfachen Jahreskalender auf der Wand neben meinem Schreibtisch. Übrigens, am ersten Tag des neuen Schuljahres machen wir immer einen „Not-Back-to-School Day“, d.h. dann gehen wir extra in die Badi oder gehen zusammen frühstücken. Das Gleiche gilt für den letzten Tag des Schuljahres! 🙂

8. Loop-Scheduling: Bis jetzt haben wir jedes Jahr etwas Neues ausprobiert, z.B. Unit-Studies, wo wir mehrere Wochen immer am gleichen Thema waren oder bestimmte Themen an bestimmten Tagen (z.B. mittwochs ist Geschichte, freitags Gestalten usw.). Was mir besonders gut gefällt ist das sog. Loop-Scheduling. Dafür wähle ich für jedes Kind die wichtigsten Themen (z.B. aktuell für Schnüggu: Programmieren, Lego Education/Technik, Geschichte, Wissenschaften, Geografie), die dann eine wiederkehrende Rotation bilden. Während also z.B. Schnüggu am einem Montag programmiert, hat Schnüseli Zeit für freies Gestalten, am Dienstag macht er dann Lego Education und Schnüseli Tastaturschreiben, am Mittwoch machen sie zusammen Geschichte, am Donnerstag kommen wir nicht zu den Wissenschaften, weil etwas dazwischen gekommen ist, aber das macht nichts, denn dann machen wir einfach am Freitag weiter mit der Rotation, also mit Wissenschaften. Dann am nächsten Montag fahren wir weiter mit Geografie, am Dienstag Programmieren/freies Gestalten usw. So kommen wir immer wieder zu diesen Themen, auch wenn mal eine Exkursion, eine Krankheit, ein schöner Baditag oder ein Tag im Schnee dazwischen kommt. Auch kann man die Themen je nach Wichtigkeit in die Rotation einordnen. Wenn ich z.B. Schnüseli besonders viel Zeit fürs Gestalten geben möchte, dann plane ich das vielleicht 2-3 Mal in den Loop ein. Wisst ihr wie ich das meine? Die Idee vom Loop Scheduling habe ich auf einer amerikanischen Website erhalten, falls du die Erklärung dazu auf Englisch nachlesen möchtest.

9. Exkursionen planen: Sobald ich ungefähr weiss, welche NMG-Themen anstehen, recherchiere ich, ob es dazu spannende Exkursionen geben könnte. Ich plane die Exkursionen ungefähr im betreffenden Zeitraum, wann wir ein bestimmtes Thema durchnehme und mache erste Anfragen, um Führungen oder Workshops zu buchen. Das Umgekehrte gilt auch: wenn ich weiss, dass wir z.B. in den Herbstferien eine Ferienreise unternehmen, schaue ich bereits in den Sommerferien, ob wir die Reise vielleicht mit einem gewissen Thema verbinden können. So reisen wir zum Beispiel im Oktober nach Kirgistan und da wir eh gerade das Mittelalter durchnehmen, werden wir uns ab den Sommerferien besonders auf die Seidenstrasse, die Mongolen und Marco Polo konzentrieren, damit die Kinder auch etwas von der Geschichte Kirgistans verstehen.

10. Die erste Woche planen: Irgendwann in den Sommerferien plane ich dann auch schon konkret die erste Schulwoche, damit ich das nicht in letzter Minute tun muss. Ich schreibe den Kindern auf, was sie in welchen Fächern in der ersten Woche erledigen sollten und bereite auch die NMG-Themen schon etwas vor.

11. Und zum Schluss kommt das Aufräumen: Für jedes Kind gestalte ich einen Ordner mit seinem Foto und ein paar besonderen Informationen zum vergangenen Schuljahr vorne drauf (z.B. Was habe ich dieses Jahr gelernt? oder Welche Exkursion fand ich am Besten?). In diesen Ordner lege ich alle losen Arbeitsblätter oder Zeichnungen usw. ab. Dann räume ich die nicht mehr verwendeten Lehrmittel weg und versuche, gewisse Bücher auch zu verkaufen. Arbeitshefte/-bücher der Kinder kommen in eine Plastikkiste in den Keller. Die Zeichnungen und Lernposter an der Wand werden abgenommen und z.T. mit neuen Lernpostern ersetzt oder eben leer gelassen, bereit für neue Zeichnungen. Die Schreibtische werden aufgeräumt und geputzt, damit alles wieder sauber und bereit ist für ein neues kreatives Jahr.

Das ist also mein sommerliches Planungsvorgehen… Vielleicht hilft es die eine oder den anderen in der Umsetzung der eigenen Planung, vielleicht verursacht es bei jemanden aber auch Stress. Das sollte es nicht! Wie gesagt, jede und jeder ist anders. Hauptsache, das was man macht stimmt für sich persönlich!