Oft gestellte Fragen

Was muss ich tun, um meine Kinder legal zu Hause zu unterrichten?

In der Schweiz ist das Homeschooling kantonal geregelt. Am Besten findet man die aktuellste Information über die gesetzlichen Anforderungen in deinem Kanton via dem Schweizer Verein Bildung zu Hause oder direkt beim regionalen Schulinspektorat. Hier kannst du auch mehr darüber lesen.

Ich brauche bitte mehr Information über Homeschooling.

Hier kannst du darüber lesen, wie du mit Homeschooling anfangen kannst. Ganz wichtig ist es herauszufinden, was die Gesetze deines Kantons oder deines Landes über Homeschooling sagen. Dann wäre es sicher von Nutzen, wenn du Mitglied vom Verein Bildung zu Hause wirst und/oder dich mit anderen Homeschoolern in der Nähe vernetzt. Es gibt auch immer wieder regionale Homeschool Informationstage, v.a. in den Kantonen Aargau und Bern. Wenn du vor Ort keine Homeschool Gruppe findest, empfehle ich dir, einer Online Grupe beizutreten. Als Mitglied von BzH zum Beispiel diese Bildung zu Hause Facebook Gruppe oder sonst auch diese Facebook Gruppen: Schulfrei Leben Schweiz und Homeschool-Interessierte Gruppe Schweiz und Freilerner Netzwerk (auch Deutschland).

Gruppen wie z.B. der Berner Seelandtreff oder auch ein Freilernraum in der Nähe sind die beste Hilfsquelle für jeden, der ganz neu ist im Homeschooling, denn dort triffst du echte Menschen, die in deiner Gegend homeschoolen und deine Fragen beantworten und dich ermutigen können und mit denen du über allerlei Praktisches wie Lehrmittel oder den Alltag austauschen kannst.

Kann ich mein Kind Mitten im Schuljahr aus der Schule nehmen oder muss ich  bis zum Ende des Schuljahres warten?

Auch dies ist unterschiedlich von Kanton zu Kanton. Im Kanton Bern war es bis jetzt so, dass man ein Kind auch Mitten im Schuljahr aus der Schule nehmen durfte, vorausgesetzt, alle nötigen Bewilligungen und Anforderungen sind vorhanden. Du musst die kantonalen gesetzlichen Anforderungen kennen und die nötigen Dokumente ausfüllen und abgeben, um deine Kinder auf legale Weise privat zu unterrichten.

Wie kann ich mehrere Kinder gleichzeitig unterrichten, wenn sie nicht gleich alt sind?

Homeschool- Familien machen oft bestimmte Themen, die nicht unbedingt stufen- oder altersabhängig sind, zusammen, zum Beispiel Geschichte oder auch Gestalten. Kinder mit unterschiedlichem Alter nehmen zum Beispiel die gleiche historische Periode zusammen durch, aber haben vielleicht unterschiedliche Aufgaben, je nach Alter und Können. Andere Fächer, wie z.B. Mathematik oder Lesen/Schreiben werden eher individuell begleitet. Während ein Elternteil mit dem ersten Kind Mathematik übt, können die anderen Kinder etwas selbständig tun oder in einem anderen Zimmer spielen.

 

Was passiert, wenn ich krank bin?

Eines der grössten Vorteile des Homeschoolings ist die Flexibilität. Ein krankes Elternteil kann trotzdem noch schauen, dass die wichtigsten Aspekte der Tagesarbeit erreicht werden, wenn nötig kann es vom Bett aus Instruktionen geben. Es kann zum Beispiel neben Mama im Bett gelesen werden oder es kann ein Mathematik-Spiel gespielt werden. Aber da man generell schneller vorwärts kommt mit 1-4 Kindern im Homeschooling als in einer Klasse von 25-30 Kindern in der Volksschule, muss man auch gar kein schlechtes Gewissen haben, wenn die Kinder dann halt mal eine Dokumentation im Fernsehen oder ein Mathematik-Spiel auf dem Tablet spielen!

Muss ich eine gewisse Tagesstruktur einhalten?

Homeschool-Familien organisieren ihren Tag meistens so, wie es ihnen am Besten passt. Viele fangen am Morgen an und arbeiten traditionell an Schulthemen bis zum Mittagessen. Andere machen kaum einen Unterschied zwischen Schulthemen und Freizeit. Es wird immer gelernt! Wenn ein Kind kurz vor dem Zubettgehen noch ganz interessiert ist in ein bestimmtes Thema oder ein Chemieexperiment, dann folgen manche Eltern die Begeisterung ihres Kindes, um zu sehen wohin es führen wird – das ist dann auch ein Teil des Schultages.

Die Bildungsphilosophie der Homeschool-Familie beeinflusst ganz stark die Struktur ihrer Tage. Die meisten von uns kennen nur einen Bildungsstil – das traditionelle System mit Textbüchern, Schulpulten in Reihen aufgestellt und Prüfungen – doch es gibt eine riesige Vielfalt an Bildungsphilosophien. Es gibt zum Beispiel die Waldorf-Methode, Montessori, Rudolf Steiner, Charlotte Mason, die klassische Methode, Thomas Jefferson, die themenorientierte Methode, das Unschooling und vieles mehr. Homeschool-Familien haben die Freiheit, verschiedene Methoden so zu mischen, dass es den Bedürfnissen ihrer Kinder am Besten entspricht.

 

 

Was bedeutet „Lernstil“ und wie finde ich heraus, was der Lernstil meiner Kinder ist? Wie unterscheidet sich ein Lernstil von einem Unterrichtsstil?

Es gibt viele verschiedene Arten, Homeschooling zu machen, inkl. mit Textbüchern, gemäss Charlotte Mason, themenorientiert, vom Kind geleitet und Unschooling. Der Lernstil deines Kindes ist einfach die Art, wie dein Kind am Besten Information verarbeitet, und dein Unterrichtsstil ist wie du normalerweise am liebsten unterrichtest (und hängt oft mit deinem eigenen Lernstil zusammen).

Es isth wichtig zu begreifen, dass der Lernstil deines Kindes anders sein kann als dein bevorzugter Unterrichtsstil. Du kannst über verschiedene Arten von Homeschooling lesen und darüber nachdenken, welche Art am Besten zu eurem Lebensstil und dem Lernstil deines Kindes passt. Es kann sein, dass du bald merkst, dass eine Kombination von verschiedenen Arten und Stilen für deine Familie am Besten funktioniert. Während du noch am Lesen und am Lernen bist, was am Besten funktionieren könnte, mach dir keine Sorgen, dass du sofort mit beiden Füssen direkt in einen vollen Homeschool Stundenplan eintauchen musst. Homeschooling ist dann besonders erfolgreich, wenn man nicht versucht, die Volksschule zu Hause zu duplizieren. Schreibe einfach auf, was dein Kind während der Woche tut und du wirst schon bald merken, dass Kinder nicht mit dem Löffel gefüttert werden müssen, um zu lernen.

Stört es ein Kind beim Lernen, wenn ich meinen Unterrichtsstil ändere?

Denk über diese Frage nach, indem du sie umkehrst: „Stört es ein Kind beim Lernen, wenn seine Mutter oder sein Vater einfach so weitermacht mit Unterrichten, auch wenn dieser Unterrichtsstil es ihnen schwierig macht zu lernen?“ Die Antwort ist natürlich ja. Auch wenn es vielleicht für etwas Aufruhr sorgt, wenn man den Unterrichtsstil ändert, ist es immer noch besser als dein Kind in einem Zustand zu lassen, in dem es nur sehr schwierig lernen kann. Jede Veränderung, die ein positives Resultat mit sich bringt, ist besser als etwas so zu belassen wie es immer war, auch wenn es nicht funktioniert.

Bekommen Homeschool-Kinder Hausaufgaben oder Noten?

Da die schulischen Anforderungen in einem Homeschool-Setting von ein paar Kindern oft in einer viel kürzeren Zeit erreicht werden können als in einer Klasse mit 20-30 Kindern, kommen die Kinder viel schneller voran und braucht es neben der täglichen Arbeit keine sogenannten Hausaufgaben. Da der Elternteil, der tagtäglich mit den Kindern unterwegs ist und sie schulisch begleitet, weiss sie/er ganz genau, wo das Kind gut vorankommt und wo es noch mehr üben sollte.

Wenn FreundInnen meiner Kinder sie fragen, was für eine Note sie in einem bestimmten Fach haben, antworten sie meistens: „Eine 6!“ (Höchste Note in der Schweiz.). Wenn die fragenden Kinder dann staunen, erklären meine Kinder: „Wir gehen mit einem bestimmten Thema nicht weiter, bis ich es wirklich kann, also bis ich eine 6 habe!“

Eine 4 in einem Test bedeutet ja eigentlich, dass das Kind das Thema noch nicht wirklich gut begriffen hat oder weiss. Doch damit die ganze Klasse nicht immer warten muss, muss die Lehrperson voran gehen. Eine 4 ist in der Schweiz immerhin genügend. Doch in einer Homeschool-Familie merkt der unterrichtende Elternteil schnell, ob das Kind ein Thema wirklich begriffen hat oder noch nicht und geht natürlich nicht weiter, ehe das Kind das Thema wirklich beherrscht.

Machen Homeschool-Kinder auch Tests? Oder wie weiss man, ob sie den Stoff der nächsten Klasse machen können? Wann sind sie mit der Schule fertig?

Manche Kantone in der Schweiz verlangen regelmässige standardisierte Tests, andere nicht. Manche Familien möchten, dass ihre Kinder Tests machen, um sicher zu sein, dass sie schulisch fortschreiten. Andere Homeschool-Familien sehen den Sinn hinter Tests nicht wirklich und machen sie nicht mit ihren Kindern.

Wenn eine Familie mit offiziellen Lehrmitteln arbeitet, ist das Kind bereit für den Stoff der nächsten Stufe, wenn es den Stoff der letzten Klasse beherrscht. Dies kann bedeuten, dass es zum Beispiel in Deutsch voraus ist (es beherrscht den Stoff der aktuellen Klasse sehr schnell) und in Mathematik etwas hintendrein (es hat etwas mehr Mühe mit dem Stoff der aktuellen Klasse). Wenn ein Kind voraus ist und zum Beispiel im Frühling den gesamten Stoff der aktuellen Klasse bereits beherrscht, kann das Kind und/oder die Familie entscheiden, ob es bis zum Sommer einfach weitermacht mit dem Stoff der nächsten Klasse, oder ob es sich noch einige Wochen für anderes Zeit nehmen möchte. Dies erleben wir regelmässig mit unserem Sohn, der jedes Jahr durch den Mathe-Stoff rast, weil er es so gerne macht und schnell begreift.

Theoretisch kann man bis zur Matura/zum Abitur zu Hause unterrichten. Praktisch sieht das aber wieder in jedem Kanton anders aus. Manche Familien schicken ihre Kinder in der Oberstufe wieder in die Schule, v.a. wenn sie gemäss den gesetzlichen Anforderungen dazu gezwungen werden, oder auch wenn das Kind z.B. eine Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium geschafft hat. Andere Familien unterrichten ihre Kinder bis und mit zur 9. Klasse zu Hause und die Kinder machen dann eine Lehre. Es gibt auch ein paar Familien, die ihre Kinder dabei unterstützen, selbständig für die Matura/das Abitur zu lernen. Die Prüfung muss dann extern gemacht werden. Ich kenne auch mindestens eine Familie, die solchen Spass am Homeschooling hatten, dass sie auch noch ein 10. Schuljahr zu Hause machten. Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Für mich gehen die Jahre viel zu schnell und ich möchte gar nicht daran denken, dass es in ein paar wenigen Jahren schon vorbei sein soll…!

 

 

Was ist mit der Sozialisierung?

Das ist eine immer wieder gestellte, wichtige Frage, die bald einen eigenen Blogpost erhält.

Wie viel kostet es, meine Kinder zu Hause zu unterrichten?

Während manche Familien jedes Jahr Hunderte von Franken an verschiedene Lehrmittel ausgeben, geben andere Familien praktisch nichts aus. Wie viel du schlussendlich ausgibst, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. welchen Homeschool-Stil du verwendest, wo du deine Lehrmittel kaufst und ob du ganz impulsiv und spontan einkaufst oder nicht. Mit gebrauchten Lehrmitteln kann man viel sparen. Mehr Tipps über Finanzen und Homeschooling kommt in einem separaten Blog.

Wie weiss ich, was ich wann meinem Kind beibringen sollte?

Du bist verpflichtet, den kantonalen Lehrplan einzuhalten. Diesen findest du im Internet, z.B. hier. Im Lehrplan steht ziemlich genau, was in welcher Klassenstufe aktuell ist. Eines der grössten Vorteile des Privatunterrichts ist es jedoch, dass du den Lehrstoff in jedem Fach den Fähigkeiten deines Kindes anpassen kannst und dir keine Sorgen über Klassenstufen machen musst. Das bedeutet, dass du evtl. in verschiedene Klassenstufen mit deinem Kind arbeitest, je nach Fach. Dort sind die meisten Inspektoren auch verständnisvoll. Unser Sohn ist z.B. eine Klassenstufe voraus, da er den Stoff der 1. und 2. Klasse in je einem halben Jahr schaffte. Unsere Tochter, hingegen, ist in Mathematik sicher 1-2 Klassenstufen tiefer, da sie einfach etwas mehr Mühe hat mit Mathematik und mehr Zeit braucht. Andererseits macht Schnüggu bereits in der 4. Klasse Sachen, die in der Volksschule erst viel später kämen, wie z.B. Technik und Physik, Programmieren und Technisches Zeichnen. Und Schnüseli ist weit voraus in ihrer Fähigkeit zu zeichnen, nähen und basteln.

Welche Lehrmittel empfiehlst du?

Jedes Kind und jede Familie ist anders. Es gibt kein perfektes Lehrmittel und was für eine Familie super funktioniert, geht gar nicht für eine andere Familie. Wie schon oben erwähnt, ist der Lernstil des Kindes wichtig, um herauszufinden, welches Lehrmittel am Besten zu eurer Situation passt. Ich werde in separaten Blog Posts noch verschiedene Lehrmittel vorstellen und bewerten. Rede doch auch mit anderen Homeschool-erfahrenen Familien darüber, welche Lehrmittel ihnen gefallen und warum.

Wie kannst du sicher sein, dass deine Kinder alles lernen, was sie lernen sollten?

Du kannst ihnen nicht alles beibringen und das kann die Volksschule auch nicht. Es ist unmöglich, ihnen alles beizubringen, doch wenn du deinem Kind beigebracht hast, wie es selber lernen kann, dann werden sie sich selber relativ einfach ganz vieles beibringen können. Plane deine Ziele, mit dem Lehrplan im Hinterkopf, arbeite in diese Richtung und entspann dich. Wenn du das tust, wirst du die Zukunft deines Kindes nicht ruinieren, indem du ein Schlüsselelement ihres Primarschulstoffs nicht durchgenommen hast. Bildung baut meistens einfach auf Konzepte auf, die bereits früher gelernt wurden, indem es tiefer geht, wenn das Kind reifer wird, um mehr Information aufzunehmen. Wenn du etwas verpasst hast, wirst du es sehr wahrscheinlich später wieder begegnen und kannst du es dann angehen.

Da Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, nicht in einem Klassenzimmer sitzen, müssen sie nicht um die Aufmerksamkeit eines Lehrers kämpfen/wissen sie nicht, wie mit anderen Schülern umzugehen/wissen sie nicht, wie mit einem Lehrer umzugehen, usw. Wird das schlecht sein für ihre Zukunft?

Diese Frage nimmt an, dass die Schule der einzige Ort ist, wo sich ein Kind in einer Gruppe mit einem erwachsenen Leiter befindet. Die Pfadi, Jungschar, Sportvereine, Kirchengruppen, Sommerlager und vieles mehr sind Orte ausserhalb der Schule, wo Kinder die Regeln des Umgangs in der öffentlichen Gesellschaft lernen. Auf etlichen Ausflügen und Workshops und Führungen in öffentlichen Institutionen wie Museen usw. ist mir schon viel aufgefallen, wie wunderbar sich eine Gruppe von Homeschool-Kindern benehmen. Dies wird dann oft auch ganz erstaunt von den Führern oder Leitern der Workshops so festgestellt. Da die Kinder nicht untereinander zeigen müssen, wie cool sie sind, indem sie die Führung oder den Workshop stören, können sie ganz entspannt und interessiert zuhören und intelligente Fragen stellen, ohne Angst zu haben, als Streber gemobbt zu werden.

Werden Homeschool-Kinder total abhängig von ihren Eltern, weil sie auch ihre Lehrer sind?

Es waren die Führer der industriellen Revolution, die entschieden, dass es gut wäre, wenn Kinder von der Regierung geformt und gebildet und abhängig werden, damit sie zu guten Arbeitern ihrer Industrien heranwachsen würden. Vor dieser Zeit war es ganz normal, dass die Eltern für die Bildung ihrer Kinder verantwortlich waren. Wenn du einen Blick auf die Liste von berühmten Homeschool-Kindern wirfst, wirst du sehen, dass Homeschooling immer selbständig denkende Menschen produziert hat, die es für viel weniger nötig hielten, überhaupt von jemandem abhängig zu sein.

Innovatives Denken wird leider in der Volksschule oft nicht ermutigt, da es die Natur einer institutionalisierten Bildung ist, die Schüler durchzuschleusen, ohne gross von der Norm abzuweichen. Viele Arbeitgeber und Universitäten in den Vereinigten Staaten suchen aktiv nach Homeschool-Abgänger, weil sie herausgefunden haben, dass die Eltern ihren Kindern meistens beibringen, selbständig denkende Personen zu werden.