Ein Plädoyer für eine offene Schule

An unserem früheren Wohnort hatten wir keinen Kontakt zur Volksschule (nicht, weil wir das so wollten) und wurden wir zum Teil etwas komisch angeschaut, vor allem wenn wir an den Werkausstellungen der Schule auftauchten, um unseren Tagesjungen zu unterstützen (und Ideen zu sammeln, aber das bleibt unter uns!).

Als wir dann an unserem aktuellen Wohnort zogen, wollte ich sofort offensiv agieren. Ich hatte keine Lust, das Gerücht des Dorfes zu werden und so machte ich ziemlich bald einen Termin mit der damaligen Schulleiterin ab. Ich erklärte ihr, wer wir sind, warum wir die Kinder zu Hause unterrichten und wie ich mir trotzdem eine Zusammenarbeit mit der Schule vorstellen könnte. Sie reagierte sehr offen, freundlich und interessiert, und wir vereinbarten das sogenannte „Holzprinzip“. Dies bedeutet, dass wenn ich etwas von der Schule möchte, ich es mir „hole“. Dieses Holprinzip betrifft die folgenden Bereiche:

  • Lehrmittel: ich darf via Schule meine Lehrmittel bestellen (dieses Angebot lehnen wir aber dankend ab, da wir in den vergangenen vier Jahren verschiedene andere Lehrmittel kennen gelernt haben, die wir lieber haben als die Lehrmittel vom Kanton Bern)
  • Bibliothek: unsere Kinder dürfen die Schulbibliothek benützen (auch dieses Angebot nützen wir äusserst selten, da wir regelmässig in die grosse Stadtbibliothek gehen).
  • Sporttag: unsere Kinder dürfen am Sporttag teilnehmen (zur grossen Freude unserer Kinder und der Kinder der Schule! 🙂 ) und ich helfe gleich mit als Kampfrichterin.
  • Skitag: unsere Kinder dürfen am Skitag teilnehmen und ich, als ehemalige Skilehrerin, leite gleich eine der Kindergruppen und lerne somit auch die Kinder und Lehrpersonen besser kennen.
  • Schwimmunterricht/Wassersicherheitscheck: beide Kinder durften mit der 4. Klasse schwimmen gehen und absolvierten zusammen mit ihnen den Wassersicherheitscheck.
  • Veloprüfung: beide Kinder dürfen mit „ihrer“ jeweiligen Klasse am Velounterricht mit dem Polizisten teilnehmen und dann die Veloprüfung machen.
  • MFM Projekt (Zyklus-Show und Agenten auf dem Weg): beide Kinder dürfen in diesem Schuljahr am MFM Projekt teilnehmen.
  • Schulfest: die Kinder sind selbstverständlich auch Willkommen am Schulfest und auch dort helfe ich gerne in der Kaffeestube mit, um so die anderen Eltern und Lehrpersonen kennen zu lernen.

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Als die Schulleiterin weg ging und ein neuer Schulleiter kam, traf ich mich wieder persönlich mit ihm und war erleichtert und froh zu merken, dass auch er sehr offen und hilfsbereit war.

Wir sind unglaublich dankbar und glücklich, dass unsere Kinder so auf sehr positive Art mit der Schule, den sehr kompetenten und freundlichen Lehrpersonen und den SchülerInnen zu tun haben dürfen. Dies ist eine extreme Bereicherung für unsere Kinder, und ich merke immer wieder, dass auch die Kinder in der Schule sich sehr freuen, wenn unsere Kinder auf dem Pausenhof oder in der Schule auftauchen. Sie sind keine Exoten oder komische Kinder, sondern es dürfen ganz normal Fragen gestellt und kommentiert werden, und vor allem lernen die Kinder einander kennen und werden Freundschaften geschlossen, die auch ausserhalb der Schule gepflegt werden. Dies ist sehr kostbar und es ist meine Hoffnung mit diesem Post, dass auch andere Schulleiter dazu ermutigt werden, doch offen mit homeschoolenden Familien umzugehen, statt sie als Bedrohung oder Beleidigung zu sehen. Jede Homeschool-Familie hat ihre eigenen Gründe, weshalb sie ihre Kinder zu Hause unterrichtet und es ist doch immer besser, offen und ehrlich darüber zu reden und freundlich miteinander umzugehen, als das Gegenteil.

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Die ehemalige Schulleiterin sagte mir einmal in einem Gespräch, dass es natürlich ihr Ziel ist, dass durch den regen Kontakt mit der Schule, unsere Kinder irgendwann vielleicht wieder einmal zurück in die Schule gehen möchten. Dieses Ziel verstehe ich gut, und es ist tatsächlich so, dass Schnüggu manchmal darüber redet, dass er vielleicht einmal in der Schule schnuppern möchte. Wenn er das tatsächlich möchte und es ihm dann auch gefällt, dann werden wir ihn sicher nicht daran hindern, zur Schule zu gehen. Er soll das frei entscheiden können und den positiven Kontakt mit der Schule ist da sicherlich hilfreich. Es können also beide Seiten davon „profitieren“, wenn man das so sagen möchte. Aber Frieden und Offenheit ist für mich immer die bessere Option als Feindschaft und Distanz.

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