Vorbereitungen für den Inspektorenbesuch

In diesem Post habe ich bereits über unsere Erfahrungen mit dem Schulinspektor geschrieben. Heute möchte ich euch ein paar Tipps geben, wie ihr euch optimal auf diesen Besuch vorbereiten könnt.

Inspektion

Dokumentieren

Das Wichtigste im Homeschooling ist ja allgemein das Dokumentieren von allen Lernfortschritten und einfach von allem, was gemacht wird, entweder schriftlich und/oder durch Fotos. Dies ist eine ideale Vorbereitung auf den Besuch des Inspektors*.

Auswahl an Zeigeobjekten

Vor dem Besuch überlegt ihr zusammen, was ihr dem Inspektor eventuell zeigen möchtet. Vielleicht ist das ein Ausflugsbuch, das ihr immer gemeinsam nach euren Exkursionen gestaltet mit Fotos oder Zeichnungen oder kurzen Berichten. Vielleicht ist es auch eine schöne Zeichnung oder ein toll gelungener Aufsatz oder etwas, das ihr im Werken gemacht habt. Klar sollten auch eure Lehrmittel zur Verfügung stehen, damit der Inspektor sehen kann, mit welchen Materialien ihr die Hauptfächer durchnehmt. Ihr könntet diese „Zeigeobjekten“ auf einem Tisch präsentieren. Seid aber nicht enttäuscht, wenn es dem Inspektor beim Besuch vor allem ums Gespräch geht, und er sich kaum Zeit nimmt, die Sachen anzuschauen.

Vortrag

Manche Familien haben den Inspektorenbesuch dazu genützt, mit den Kindern einen kurzen Vortrag über ein Thema vorzubereiten. Die Kinder können so mit Hilfe eines Plakats oder sogar einer Powerpoint-Präsentation kurz ihr Wissen über ein bestimmtes Thema vortragen, wenn der Inspektor da ist. Bitte nicht länger als fünf Minuten pro Präsentation, da der Inspektor ja auch noch anderes besprechen oder sehen möchte.

Planungen/Berichte

Eventuell könnt ihr anhand des Lehrplans zeigen, welche Kompetenzen bis jetzt erreicht wurden und/oder ihr könnt eure Jahresplanung zeigen, was ihr vorhabt im laufenden bzw. kommenden Schuljahr. Manche Inspektoren verlangen spezifisch, dass ein Stundenplan und klare Jahresplanungen gezeigt werden beim Besuch. Haltet diese bereit, falls er danach fragt.

Pädagogische Begleitperson

Neu wird im Kanton Bern verlangt, dass eure pädagogische Begleitperson auch beim Besuch des Inspektors dabei ist. Dann wird vor allem geredet. Vielleicht fragt er sie auch spezifisch, wie sie euch unterstützt, wie sie eure Kinder einschätzt usw.

Gespräch

Der Inspektor möchte bei seinem Besuch in erster Linie wissen, ob 1) es allen Beteiligten gut geht beim Homeschooling; 2) der Lehrplan eingehalten wird; 3) die Kinder soziale Kontakte haben; und evtl. 4) ob die abgemachten Unterrichtsstunden eingehalten werden (z.B. Kt. AG und ZH). Seid also vorbereitet mit den Antworten zu diesen Fragen.

Angenehmlichkeiten

Ja, ich gebe es zu, natürlich schaue ich, dass das Haus so ziemlich aufgeräumt und sauber ist. Vielleicht halt ein bisschen mehr als normal, aber das mache ich ja mit jedem anderen Besuch auch. Und ja, oft backen die Kinder am Vortag irgend etwas Leckeres als Beilage zum Kafee! 😉

Denkt daran, normalerweise ist der Inspektor wohlwollend und euch gegenüber gut gesinnt. Habt also keine Angst, seid einfach euch selbst und lasst eure Kinder auch sich selber sein. Normalerweise geht alles gut und wird es ein angenehmer Besuch.

Probleme

Ja, es gibt sie leider. Diese Inspektoren, die nicht sehr wohlwollend sind und mehr von euch verlangen, als es das Gesetz vorschreibt. Es gibt leider Inspektoren, die mit Entzug der Bewilligung drohen, wenn ihr nicht die genauen Stundenpläne zeigt oder die Kinder nicht genau gemäss Lehrplan unterwegs sind. Es gibt sogar Inspektoren, die verlangen, dass die Kinder zur Schule kommen, um Tests zu schreien, oder die eine Lehrperson mitbringen, die die Kinder testet, während ihr mit dem Inspektor redet. Zum Glück sind diese Inspektoren in der Minderheit, denn dies ist natürlich nicht in Ordnung und der Inspektor übertritt da ganz klar seine Befugnis. Denn wie das Gesetz umgesetzt wird, liegt leider oft in der subjektiven Meinung der einzelnen Inspektoren.

Ihr müsst nicht zulassen, dass eure Kinder in eurer Abwesenheit durch Tests von einer wildfremden Person traumatisiert werden. Und die Bewilligung kann euch nur entzogen werden, wenn ihr euch nicht an das Gesetz haltet. Informiert euch also, was in eurem kantonalen Gesetz bzgl. Homeschooling/Privatunterricht steht. Ihr dürft euch auch wehren!

Test 2

Klar ist der beste Weg immer, mit den Behörden zusammen zu arbeiten, denn meistens geht das auch gut und ist das kein Problem. Es liegt in eurem Ermessen, wo ihr euch wehren wollt oder vielleicht sogar einen externen Experten dazu holen möchtet (z.B. einen Anwalt) und wo ihr einfach mitschafft. Als unser Inspektor unsere Kinder beim dritten Besuch „testete“ war ich dabei und entschärfte die Situation so gut ich konnte, v.a. mit Schnüseli, die wirklich ziemlich schockiert war. Ich sprach mit dem Inspektor nochmals über ihre Prüfungsangst und Mathe-Phobie und dass ich eigentlich nicht ganz mit diesen Tests einverstanden war. Er reagierte darauf sehr verständnisvoll und setzte sich neben Schnüseli und ging die Aufgaben mit ihr zusammen sehr geduldig durch, so dass sie sich beruhigen konnte und merkte, dass er sie nicht unter Druck setzen wollte. Als sie die Aufgaben dann doch mit etwas Hilfe sehr gut schaffte, gab ihr das auch ein Gefühl des Stolzes und Selbstbewusstseins.

Gerne könnt ihr in den Kommentaren darüber berichten, wie ihr den Inspektorenbesuch bei euch erlebt habt.

*Ich bin mir bewusst, dass es Inspektoren und Inspektorinnen gibt. Einfachshalber benütze ich in diesem Artikel die männliche Form.

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