Homeschooling ist nicht einfach

Hallo, ihr Lieben!
Jetzt haben die meisten von euch bereits zwei Wochen mit unfreiwilligem Heimunterricht hinter euch. Wie geht’s so? Habt ihr euch zusammen etwas eingespielt? Oder ist die anfängliche „Begeisterung“ gänzlich verflogen und empfindet ihr es einfach nur noch als frustrierend, schwierig und stressig?

In den vergangenen Wochen haben mich etliche Rückmeldungen von müden, gestressten Eltern erreicht und wurde ich etliche Male nach Tipps gefragt, wie unmotivierte Kinder wieder motiviert werden können. Die meisten von euch hätten wohl nie im Leben daran gedacht, dass sich eure Kinder einmal zu Hause, unter eurer Begleitung, den Schulstoff aneignen würden. Für viele von euch war die Ankündigung, dass die Schulen schliessen würden, ein riesiger Schock und eine plötzliche, grosse Belastung. Vielleicht seid ihr alleinerziehend, vielleicht seid ihr selbständig und sorgt euch jetzt um eure finanzielle Zukunft. Vielleicht geht es euch aber den Umständen entsprechend gut, aber wisst ihr noch nicht so genau, wie ihr das zeitlich alles hinkriegt, das mit dem Home-Office und dem Fernunterricht der Kinder, dem Haushalt, den Rechnungen, usw. Der Tag hat schlicht zu wenige Stunden. Von Entschleunigung keine Spur.

Dazu kommt der psychische Stress, jedesmal wenn wir die Nachrichten hören oder lesen, die soziale Isolation, die Sorgen um die Grosseltern, die Angst vor einer Infektion. Wir sind Zeugen einer noch nie da gewesenen Zeit (oder wenigstens nicht zu unseren Lebzeiten), die in die Geschichtsbücher eingehen wird. Das alles führt wirklich zu viel Druck. Und wenn sich da der Drittklässler noch weigert, seine Schulaufgaben zu machen, dann kann es wirklich einfach mal zu viel sein.

Die grosse Mehrheit von uns, Homeschooler, die diese alternative Bildungsform bewusst aus verschiedenen Gründen gewählt haben, hatten Zeit, uns darauf vorzubereiten. Aber viele von uns, die aus einer Not heraus entschieden haben, das Kind oder die Kinder aus der Schule zu nehmen, wurden zu einem bestimmten Zeitpunkt damit konfrontiert, dass das mit der Schule nicht mehr geht. Die Schule war zwar noch offen, aber für unser(e) Kind(er) keine Option mehr. Für viele von uns war das auch ein Schock, den wir zuerst einmal verdauen mussten. Wir alle wollen ja das Beste für unsere Kinder. Wir behaupten, dass unsere Kinder etwas Besonderes sind, aber hoffen insgeheim, dass sie doch lieber durchschnittlich sind und im „System Schule“ keine Mühe haben – nicht zu intelligent und keinerlei Auffälligkeiten.

Homeschooling war für mich noch nie infrage gekommen. Das hätte ich freiwillig auch nie gemacht!

Ich weiss noch genau, als wir merkten, dass unsere Tochter in der ersten Klasse unter starken Stresssymptomen litt. Die Kinderärztin war es schliesslich, die uns darauf aufmerksam machte. Eigentlich wussten wir es ja schon, wollten es aber nicht wahrhaben. Homeschooling war für mich noch nie infrage gekommen. Das hätte ich freiwillig auch nie gemacht! Doch jetzt waren wir mit einer Situation konfrontiert, die uns als Eltern forderte. Wir mussten zum Besten unseres Kindes entscheiden. Natürlich ging dies nicht von heute auf morgen, doch trotzdem kam dann der Tag X schneller als gehofft, als sie am 11. August 2014 zu Hause blieb, statt in die Schule zu gehen. Und ich hatte Angst. Grosse Angst. Würde ich meinem Kind die Zukunft verbocken? Würde es für immer darunter leiden, dass es jetzt nicht mehr in die Schule gehen würde? Würden wir das schaffen zusammen? Kann ich das überhaupt? Mathematik zweite Klasse mag ja noch gehen, aber der Stoff der sechsten Klasse? Und trotzdem hatten wir keine Wahl. Ja, ihr mögt sagen, wir hätten eine Wahl gehabt, aber für uns war es klar: so konnte das nicht weitergehen. Die öffentliche Schule war keine Option mehr.

Die Wochen und Monate nach dem 11. August 2014 waren geprägt von einer steilen Lernkurve. Das ist auch bei euch jetzt nicht anders. Auch ihr müsst in dieser Zeit lernen, wie ihr am besten damit umgeht. Als Eltern, als Lehrpersonen, aber auch die Kinder. Aber was ich euch ganz bestimmt sagen kann: ihr seid als Eltern für eure Kinder in dieser Situation die richtige Person! Aller Anfang ist schwer, aber ihr bringt als Eltern einen riesengrossen Rucksack an Erfahrung mit, den ihr in dieser schwierigen Zeit nützen könnt. Denkt an die Zeit, als eure Kinder Neugeborene waren. Auch da waren die meisten von uns ziemlich überwältigt von unseren Gefühlen, und die waren nicht nur positiv. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, als unsere Tochter nicht mehr als 2-3 Wochen alt war, dass ich ziemliche Angst hatte. Auf einmal war ich für so ein kleines Geschöpf verantwortlich! Ich hatte doch keine Ahnung! Ich hatte einen Bachelor und einen Master und viel Erfahrung in meinem Arbeitsfeld, aber auf die Aufgabe als Mutter hatte mich gar niemand vorbereitet! Und hier ging es schliesslich um Leben und Tod! Doch irgendwie schaffte ich es und schaffe ich immer noch jede schwierige Situation, die auf mich zukommt als Mutter. Denn Eltern sein ist nicht einfach. Und Homeschooling ist auch nicht einfach. Und diese besondere Krisensituation mit einer Pandemie, Fernunterricht, Home-Office und allen damit verbundenen Sorgen, Ängsten und dem Stress ist auch nicht einfach. Aber das bedeutet nicht, dass wir das nicht schaffen.

Die Herausforderung ist gross. Doch in jeder Krise, in jeder Herausforderung, steckt eine Chance und können wir Neues lernen und in unseren Erfahrungsrucksack packen. Wie ich bereits in anderen Artikeln geschrieben habe, wissen wir routinierte Homeschool-Eltern bereits seit Jahren, dass es wirklich nicht immer einfach ist, die Kinder zu Hause zu unterrichten. Wir haben uns deswegen organisiert und vernetzt, damit es etwas einfacher wird. Das würde ich jetzt auch allen empfehlen. Vernetzt euch zumindest online während der sozialen Isolation, bespricht Herausforderungen und mögliche Lösungen mit anderen, die im gleichen Boot sitzen. Und auch wir, Homeschooler, helfen euch natürlich gerne wo wir können und wo das erwünscht ist.

Ob ihr die Kinder freiwillig oder Pandemie-bedingt zu Hause unterrichtet, die Wahrheit ist, dass wenn ihr dies ganz neu macht, ist es schwierig.

Jedoch gehört das Stolpern und Straucheln, das Hinfallen und Wiederaufstehen (Krone richten!) im Herausfindungsprozess, wie diese neue Situation für alle am besten funktioniert, zur Realität des Homeschoolings. So erleben wir es alle, ob wir die Kinder schon lange zu Hause beim Lernen begleiten oder erst seit zwei Wochen. Nur, weil wir uns Sorgen machen, ob wir genug oder alles richtig tun und ob wir das können, heisst das nicht, dass wir es nicht schaffen und dass es nicht funktioniert. Ob ihr die Kinder freiwillig oder Pandemie-bedingt zu Hause unterrichtet, die Wahrheit ist, dass wenn ihr dies ganz neu macht, ist es schwierig. Doch nur weil es schwierig ist, bedeutet das nicht, dass du nicht die richtige Person dafür bist und dass es nicht der Mühe wert ist.

Niemand weiss, wie lange diese Situation andauern wird, doch ihr könnt euch als Eltern vornehmen, mit der Zeit besser damit umzugehen und dazu zu lernen, einen Tag nach dem anderen, und zusammen mit den Kindern herauszufinden, wie es für alle am besten funktioniert. Nehmt euch vor, euren Kindern immer wieder zu zeigen, wie sehr ihr sie liebt und auch ihre Bildung schätzt, auch (besonders) in dieser schwierigen Zeit. Es wird nicht einfach sein. Wir werden es nicht perfekt machen. Es sind schwierige Tage. Doch die Zeit, Liebe und Energie, die wir jetzt in unsere Kinder investieren, wird sie für ihre Zukunft prägen und ist jeder Schweisstropfen und jede Träne wert. Wir schaffen das!

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