5 Dinge, die ich anders machen würde, wenn ich jetzt mit Homeschooling anfangen würde

Vor sieben Jahren nahmen wir als Familie den ersten, etwas ängstlichen Schritt auf diesem neuen Homeschool Weg und heute befinden wir uns immer noch auf diesem Weg — ja, auch wenn beide Kinder nun in der Oberstufe sind.

Ich habe es noch nie bereut, dass wir damals diesen Schritt gewagt haben. Aber wenn ich zurückschaue, gibt es bestimmte Dinge, die ich jetzt anders machen würde, wenn ich ganz frisch mit Homeschooling anfangen würde.

1 – Ich würde mir weniger Sorgen machen

Am Anfang hatte ich grosse Angst, dass ich das Leben oder den beruflichen Werdegang meiner Kinder schaden würde. Ich machte mir Sorgen, dass sie schulisch nicht mithalten könnten, dass sie etwas verpassen würden und keine Freunde haben würden. Ich hatte Angst um ihre Entwicklung und ob sie dem Druck der Gesellschaft gewachsen sein würden. Mittlerweile sind die beiden 12 und 13 Jahre alt und sind zu selbständig denkenden, kreativen, interessierten und sozial kompetenten Jugendlichen herangewachsen. Sie kennen ihre Schwächen und Stärken und haben beide grosse Leidenschaften entwickelt, die auch in Richtung Berufswunsch gehen. Schulisch sind sie ganz anders unterwegs als ihre Freunde, die in die Volksschule gehen. In manchen Sachen können sie vielleicht tatsächlich nicht mithalten (Druck, Tests, auswendig lernen), aber in anderen Sachen sind sie ihnen weit voraus. Ich vertraue ihnen und uns als Team und bin mir ganz sicher, dass sie ihren Weg machen werden.

2 – Ich würde weniger kaufen

In den ersten paar Jahren kaufte ich immer alle Bücher und Lehrmittel, die mir über den Weg kamen oder mir angeboten oder empfohlen wurden. Im Angebot im Aldi. Gebraucht von anderen Homeschool-Familien. Empfohlen durch erfahrene Homeschooler – auch amerikanische. Und so häuften sich die Bücher und das Material an, wovon vieles nie gebraucht und nicht mal gross angeschaut wurde. Es war einfach zu viel! Und viel bedeutet nicht immer besser. Jetzt würde ich mehr darauf schauen, was die Kinder wirklich interessiert und lieber nur ein Buch über die Planeten zusammen anschauen, als vier im Bücherregal verstauben zu lassen, in der Hoffnung, dass sie selber ein Interesse für die Planeten entwickeln. Andererseits würde ich noch viel radikaler Lehrmittel wieder ins Bücherregal stellen (oder verkaufen!), wenn sie einfach nicht zu uns oder zu den Kindern passen und ohne Bedauern ein anderes Lehrmittel ausprobieren (vielleicht am besten via PH-Mediothek).

3 – Ich würde nur das Minimum planen

Jedes Jahr mache ich mit mehr oder weniger Begeisterung in den Sommerferien die Jahresplanung und jedes Jahr halten wir uns nicht oder kaum daran, v.a. in den NMG-Fächern wie Geografie, Geschichte, usw. Jedes Jahr haben die Kinder plötzlich ganz andere Interessen oder geschieht irgend ein Weltereignis, das wir dann zum Thema nehmen, und welches wir aber nicht vorausplanen konnten. Ich würde weniger planen, im Wissen, dass ich das ganze Schuljahr hindurch flexibel sein möchte. Ich würde lediglich eine Grobplanung machen (oder halt das Minimum, was ich von den Behörden her muss) und diese als Leitfaden bzw. Inspiration benützen, für Tage/Wochen, wenn den Kindern oder mir nichts anderes einfällt.

4 – Ich würde weniger vergleichen

Von Anfang an lernte ich wunderbare Homeschool-Familien kennen, von denen ich inspiriert wurde. Ich bekam viele Tipps von ihnen und durfte ihnen manchmal auch über die Schulter schauen, um zu sehen, wie sie denn den Unterricht zu Hause praktisch gestalteten. Dabei trat ich schnell in die Falle, unsere Familien und unsere Kinder zu vergleichen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn wir es kaum in den Wald schafften, um Naturerfahrungen zu machen. Ich fühlte mich mies, wenn wir strukturiert Homeschooling machten, weil alle anderen ja anscheinend so frei lernten. Ich hatte Mühe, wenn meine Tochter nicht einfach mühelos Mathematik lernte, wie die anderen das anscheinend taten. Ich hatte das Gefühl, wir wären die einzigen, die auch regelmässig mal schwierige Tage zusammen hatten, mit Tränen und Wutausbrüchen. Ich dachte bei den anderen läuft immer alles rund und sowieso, alle anderen Homeschool-Kinder sind ja eh hochbegabt! Heute weiss ich, dass jede Familie und auch jedes Kind in einer Familie einzigartig ist. Es bringt nichts, Geschwister oder auch andere Kinder miteinander zu vergleichen. Jede und jeder entwickelt sich anders und so wie es passt. Auch weiss ich heute, dass jede Homeschool-Familie Höhen und Tiefen erlebt und dass nicht immer alles nur rund läuft. Und ich plädiere dafür, dass wir aus genau diesem Grund ehrlich miteinander sind und auch unsere schwierigen Momente miteinander teilen.

5 – Ich würde mit mir selber nachsichtiger sein

Immer wenn etwas nicht rund lief, dachte ich es liege wohl an mir. Ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, dachte, dass ich es einfach besser machen und geduldiger sein müsse, dass ich schlecht sei im Erklären, dass ich meinen Sohn nicht im Griff hätte, dass ich zu streng sei, zu locker sei, zu laut sei, zu ungeduldig sei, zu dies, zu das… Heute weiss ich, ich bin so wie ich bin und gebe zu 100% mein Bestes. Mehr geht eh nicht. Und es klappt… trotz mir selbst oder dank mir selbst. Auch meine Kinder sind keine Engel und manchmal ist die Tagesdynamik halt so, dass es harzt oder auch mal explodiert. Aber das ist in Ordnung. Denn das Leben geht weiter, wir haben uns immer noch lieb, und wir haben es immer noch sehr, sehr gut miteinander. Trotz allen unseren Macken und Schwächen. Und ja, wir alle haben uns in den letzten sieben Jahren geändert und sind gereift und gewachsen, in unserem eigenen Charakter, aber auch im Zusammenleben und als Familie. Ich bin dankbar und froh, dass wir einen wunderbaren Familienzusammenhalt haben und dass die Kinder und ich (fast) jeden Tag gut zusammen arbeiten.

Es waren abenteuerreiche, spannende sieben Jahre bis jetzt und ich bin extrem dankbar, dass wir uns (trotz allen anfänglichen Vorbehalten, was die Oberstufe betrifft) immer noch auf diesem Weg befinden.

Was würdest du anders machen, wenn du an den Anfang deiner Homeschool-Reise zurück gehen könntest?

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