Berufswahl als Homeschooler – Teil 1

Heute durfte Schnüseli zum ersten Mal schnuppern! Sie verbrachte ihren Tag in einem Grafikstudio in der Altstadt von Bern und kam ganz begeistert vom Team, vom Tag und vom Beruf nach Hause.

Wie geht das eigentlich, die Berufswahl als Homeschooler? Da dies eine immer wieder brennende Frage unter Homeschool-Interessierten und -Neueinsteiger ist, nehme ich euch gerne mit auf diese spannende Reise — schon jetzt, auch wenn wir das Endresultat noch gar nicht kennen!

Schnupperbericht und selber designte Postkarte am heutigen Schnuppertag

Leidenschaften, Interessen und Stärken

Homeschooler haben meistens viel Zeit, um ihre Leidenschaften und Stärken zu entwickeln. So ist es auch gekommen, dass sowohl Schnüggu wie auch Schnüseli bereits seit einiger Zeit wissen, was sie denn gerne einmal „werden“ möchten, bzw. welcher Beruf ihnen wahrscheinlich Spass machen würde. Natürlich sind diese Berufswünsche in der 7. und 8. Klasse noch nicht in Stein gemeisselt, aber ihre Interessen und Stärken legen schon mal eine gewisse Richtung vor. Beide haben in diesen Bereichen bereits viel Erfahrung gesammelt und nehmen extern auch immer wieder Förderkurse in diesen Interessensbereichen. Schnüseli möchte gerne einen gestalterischen Beruf erlernen und Schnüggu sieht sich ganz klar im Informatikbereich.

Berufsberatung

Unser erster Termin im Berufsinformationszentrum (BIZ) in Bern war dementsprechend gleich ziemlich produktiv und effektiv. Der Berater staunte nicht schlecht, als Schnüseli ihm ihre klaren Vorstellungen und Berufswünsche unterbreitete. Trotzdem war sie dafür offen, einen online Interessenstest zu machen und Infobroschüren über verschiedene Berufe mit nach Hause zu nehmen, vor allem da es nicht einfach ist, eine Lehrstelle in ihrem bisherigen Traumberuf als Polydesignerin 3D zu bekommen (leider zu viele Interessierte und zu wenige Lehrstellen). Unser zweiter Termin steht diese Woche an, und wir sind beide gespannt darauf, welche sonstigen Berufe noch in Frage kommen würden, basiert auf den Interessenstest. Die Termine im BIZ sind übrigens gratis für Schüler und Schülerinnen aus dem Kanton Bern und können online gebucht werden. Ich denke das ist in anderen Kantonen wohl ähnlich. Macht also unbedingt davon Gebrauch! Schaden kann’s ja nicht!

Schnuppern

Lange sträubte sich Schnüseli gegen das Schnuppern. Sie war einfach noch nicht bereit dazu, in die erwachsene Berufswelt einzusteigen. Trotzdem ist das Schnuppern aus mehreren Gründen sehr wichtig. Erstens gibt es den Jugendlichen die perfekte Möglichkeit zu sehen, ob der Beruf wirklich so ist wie sie es sich vorstellen oder doch eher nicht. Zweitens sind auch die Schnupperberichte besonders wichtig für Homeschool-Jugendliche, die sonst keine eigentlichen Zeugnisse vorzuweisen haben. Drittens öffnet es doch ein klein wenig die Tür in die erwachsene Berufswelt — ganz sachte — und mit jedem Mal schnuppern ist die Nervosität schon ein bisschen weniger.

Wir suchten also in erster Linie nach Schnuppermöglichkeiten, die im kleinen und familiären Rahmen stattfinden konnten. Dank dem Kontakt eines Freundes kamen wir auf diese Grafikfirma. Schnüseli wagte sich noch nicht zu telefonieren, also schrieb sie selber ihr erstes Schnupper-Bewerbungsmail. Der Kontakt zur selbständig arbeitenden Grafikerin verlief über die ganze Zeit sehr herzlich und immer wieder direkt mit Schnüseli, auch als Schnüseli ihren ursprünglich geplanten Schnuppertag wegen Krankheit verschieben musste. Ich war aber immer für sie da, falls sie in der Kommunikation Hilfe brauchte („Wie formuliere ich das am besten?“ „Habe ich das richtig geschrieben?“).

Heute Morgen begleitete ich sie nach Bern und gemeinsam suchten wir die richtige Adresse. Natürlich hätte Schnüseli dies auch alleine tun können, und das wird sie ganz sicher auch tun in Zukunft. Da dies jedoch ein spannendes erstes Mal war, bot ich gerne an, sie diesmal zu begleiten. Natürlich nur bis vor dem Eingang!

Auf der Seite der Berufsberatung Schweiz findet ihr verschiedene Dokumente zum Herunterladen, zum Beispiel auch eine Beurteilung des Jugendlichen vom Lehrbetrieb und eine Auswertung der Schnupperlehre vom Jugendlichen selbst. Schnüseli brachte diese Beurteilung heute mit und dies wurde vom Lehrbetrieb ausgefüllt und mit ihr besprochen (ein erster, positiver Schnupperbericht, auf welchem sie durchaus stolz sein darf und der den wichtigen Satz „Die ausgeführten Aufgaben zeigen bereits gut ihr Gespür für die Gestaltung“ beinhaltete!). Morgen wird sie sich persönlich noch Gedanken machen über den Schnuppertag. Natürlich ist ein einziger Schnuppertag weniger aussagekräftig als drei bis fünf Tage, aber irgendwo muss man ja anfangen, oder?

Fortsetzung folgt

Weitere Schritte in Schnüselis Berufswahlprozess werde ich fortlaufend hier auf dem Blog dokumentieren: weitere Schnuppertage, Multicheck-Tests, Eignungstests, BIZ-Beratungstermine und schliesslich dann auch konkrete Entscheidungen und Bewerbungen. Wir sind nämlich davon überzeugt, dass Schnüseli (und später dann auch Schnüggu) ihren Weg in der weiten Berufswelt finden werden, obwohl (oder gerade weil) sie Homeschooler sind!

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